Wachstum trotz Hindernissen

Hofmann Personal konnte 2017 weiterwachsen. Umsetzung der AÜG-Änderungen verursacht Kosten, bindet Personal und bringt für die betroffenen Zeitarbeit-Mitarbeiter möglicherweise Nachteile.

Das Jahr 2017 war erneut geprägt durch eine allgemein gute Wirtschaftslage. Dadurch war der Personalbedarf in der Industrie sehr hoch und wir konnten in der Hofmann-Gruppe einen Umsatz von 903 Millionen Euro erreichen. In Deutschland wurden Niederlassungen in Aachen, Flughafen Frankfurt und Freiburg eröffnet. 

Vorläufige Einschätzung des geänderten Arbeitnehmerüberlassungsgesetzes

Die Änderung des Arbeitnehmerüberlassungsgesetzes erforderte hohe Investitionen in die IT und umfangreiche Schulungen für alle Hofmann-Mitarbeiter, um eine fachgerechte Umsetzung des Gesetzes zu gewährleisten und um im intensiven Dialog mit den Kunden gesetzeskonforme Lösungen zu finden. Da es unterschiedliche Interpretationen für die korrekte Definition von Equal Pay gibt, bleiben Unsicherheiten. Das hat zur Folge, dass manche Kunden vorsorglich Mitarbeitereinsätze befristen, was letztendlich zum Nachteil unserer Zeitarbeit-Mitarbeiter sein kann.

„Ich halte das Gesetz nach wie vor für ein „teures Bürokratiemonster“. Wem es nutzt und wem es schadet, lässt sich bisher schwer sagen. Wir haben Mitarbeiter, die nun Equal pay erhalten bzw. die 6. Stufe des Branchenzuschlagstarifvertrags erreicht haben, was selbstverständlich positiv ist. Wir beobachten bei den Mitarbeitern aber auch eine zunehmende Verunsicherung. Sie befürchten, dass sie zukünftig häufigere Einsatzwechsel und damit auch Lohnverluste hinnehmen müssen“, sagt Ingrid Hofmann. Bisher sind bei uns die Übernahmen der Zeitarbeit-Mitarbeiter durch die Kunden nicht gestiegen, was nachvollziehbar ist, da die Dienstleistung Zeitarbeit vorrangig genutzt wird, um flexibel sein zu können. 

Die neue gesetzliche Einsatz-Befristung auf 18 Monate bei Kunden ohne alternative tarifliche Regelung trifft vor allem die Mitarbeiter hart, die gerne längerfristig bei Kunden arbeiten möchten, in deren Personalpolitik es aber häufig nicht vorgesehen ist, dass Zeitarbeit-Mitarbeiter in die Stammbelegschaft wechseln können. 

„Ich gehe davon aus, dass unsere Branche nun Zeit hat, die Gesetze in die Praxis umzusetzen und die Evaluation seitens der Regierung wie geplant erst 2020 stattfinden wird“, sagt die Unternehmerin.

Auftragslage derzeit stabil

Die wirtschaftliche Entwicklung bei den Kunden zeigt sich im ersten Quartal 2018 stabil. Die Anzahl der Mitarbeiter hat sich im Vergleich zum letzten Jahr leicht erhöht. Die Grippewelle und der Streik haben sich allerdings negativ ausgewirkt.

 Expansion International

Die Expansion nach Norditalien ist erfolgt. Dort sind wir inzwischen in Mailand und Turin vertreten. In der Slowakei wurde das seit 2016 bestehende Rekrutierungsbüro im September 2017 in die Tochtergesellschaft I. K. Hofmann s.r.o. umgewandelt. Seit März 2018 haben wir dort die Erlaubnis zur Arbeitnehmerüberlassung, wobei die ansässigen Kunden vorrangig die Personalvermittlung nutzen. Es kamen auch zusätzliche Standorte in den USA dazu.

Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt integrieren

2017 konnten wir 690 Flüchtlinge aus den acht Hauptherkunftsländern einstellen. Den größten Anteil hatten Menschen aus Syrien, Eritrea, Irak und Somalia. Für 2018 gibt es erneut das Jahresziel, mindestens 500 Flüchtlinge neu einzustellen. Grundvoraussetzung für eine Tätigkeit in der Zeitarbeit sind ausreichende Sprachkenntnisse und die Bereitschaft, sich auf Deutschlands hochindustrialisierte Arbeitswelt einzulassen. „Wir betrachten jede Person individuell, hinterfragen Erwartungen, Können, aber auch Faktoren wie z.B. die Wohnsituation und prüfen, welche Einsätze möglich sind“, sagt Ingrid Hofmann. „Wir nutzen unsere guten Beziehungen zu den Kunden und motivieren diese, Flüchtlingen durch Zeitarbeit eine Chance zu geben, wenn wir die Betreuung übernehmen.“ Oder Kunden signalisieren selbst, dass sie auch Flüchtlinge beschäftigen möchten. Hofmann Personal beschäftigt aktuell Menschen aus 113 Nationen. Der Anteil an allen Mitarbeitern liegt bei 32 Prozent.

Bewerbung für den Ludwig Erhard Preis

Das EFQM Modell für Excellence ist ein in Theorie und Praxis bewährtes Modell für optimales unternehmerisches Handeln. „Die kontinuierliche Auseinandersetzung mit dem Excellence Gedanken, basierend auf dem EFQM-Modell, hilft uns bei der Beantwortung der Frage: Sind wir in unserer Entwicklung auf dem neusten Stand und zukunftsfähig? Sechs Assessoren bewerteten unser Unternehmen eine Woche lang nach vorgegebenen Kriterien, indem sie sich die Prozesse durch Einblick in unsere Systeme zeigen ließen und prüften wie diese in der Praxis gelebt werden. Der Endbericht zeigt uns, wo wir gut sind und wo wir Potentiale haben, an denen wir dann arbeiten müssen“, erläutert die Unternehmerin. Ob das Unternehmen zu den Gewinnern gehört, wird sich am 15. Juni 18 in Berlin bei der Preisverleihung zeigen.

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