Mai 14 - „Der Papst überholt die Bischöfe links“, meinte der Pastoraltheologe Prof. Paul Zulehner und hatte damit die Aufmerksamkeit des Publikums gewonnen. Sehr schnell konzentrierte er sich auf das Thema Leistungsgesellschaft und kritisierte das jetzige Wirtschaftssystem, das Schäden verursache. Er warf den Politikern vor, nur zuzuschauen, keine aktive Wirtschaftspolitik zu betreiben und zu viel Privatisierung zuzulassen. Er stellte die Frage, ob man so nicht ein System aufrechterhalte, das es nicht verdiene?
Diese Ansichten wollten Julia Schmitt-Maier, Mitarbeiterin Personalvorstand Infineon und Ingrid Hofmann nicht unwidersprochen lassen. Für Ingrid Hofmann ist die soziale Marktwirtschaft das derzeit beste Wirtschaftssystem, das existiert. Über seine Ausgestaltung muss man natürlich immer wieder diskutieren und sie den Veränderungen anpassen. Die Anforderungen in der Arbeitswelt sind komplexer geworden, die Zeit schnelllebiger. Das ist aber nicht grundsätzlich gleichzusetzen mit negativer Entwicklung. Jegliche Änderungen bergen Gefahren oder können negative Auswirkungen haben. Diese gilt es zu erkennen und Wege zu finden, sie möglichst zu vermeiden oder mit ihnen adäquat umzugehen.
Die Forderung von Prof. Zulehner, dass Wirtschaft nicht ihr menschliches Gesicht verlieren dürfe, teilten alle Diskussionsteilnehmer. Er nennt es „bedingungsloser Respekt des Menschen vor der Leistung“. Das setzen Hofmann-Mitarbeiter tagtäglich um. „Jeden Zeitarbeitsmitarbeiter, den wir im Unternehmen einstellen, müssen wir in seiner Leistungsfähigkeit einschätzen und ihn als Mensch verstehen. Wie sollten wir sonst unseren Job erfolgreich machen“, sagt Ingrid Hofmann.
Das Thema der Diskussionsrunde war weit gefasst. Wie z.B. definiert man Leistung? Walter Krug, Leiter des Berufsbildungswerks Abensberg definierte es auf seine Weise. Als der Moderator ihm eine Frage stellte, gab er keine Antwort. Er stand auf, setzte sich auf den Bühnenrand und ließ die Zuhörer warten. Dann meinte er: „Ich habe soeben Leistung verweigert, habe nicht getan, was man von mir erwartet.“
Prinzipiell kann man wohl davon ausgehen, dass viele Menschen etwas leisten, etwas bewegen möchten. Sie freuen sich, wenn ihre Anstrengungen erfolgreich waren, freuen sich über Anerkennung. Julia Schmitt-Maier bekannte sich zur Leistungsgesellschaft. Aber auch sie machte deutlich, dass man immer nur abrufen kann, was die individuelle Persönlichkeit und Fähigkeit zulässt. Und wo Menschen zusammenarbeiten, gibt es nun einmal auch Probleme. Infineon hat dafür z. B. eine Sozialberatung, an die sich jeder wenden kann.
„Insgesamt fand ich diese Diskussion wirklich spannend. Ich freue mich sehr, dass ich in diesem Rahmen die Möglichkeit habe, meine Erfahrungen und Sichtweisen als Unternehmerin darzulegen“, stellt Ingrid Hofmann abschließend fest.






